SOMMERHOCHTOUR - NADELHORN 2015

Jul 03, 2015
SOMMERHOCHTOUR - NADELHORN 2015
 
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Teilnehmer und Führer: Silvan Bözinger, Martin Hug, Thomas Hug, Felix Kläsi, Marcel Müller, Gabriel Schnetzler, Jürg Steinegger, Jürg Schweizer,  Dres Schild, Bettina Gruber, Longinus Henzen, Raphael Imsand, Pipa und Indio

Bei hochsommerlichen 35C° im Tal gibt es für einen richtigen Wintersportler eigentlich nur drei Alternativen: Die Mehrheit bevorzugt das Plantschen im kühlen Gewässer, die Bewegungsfaulen eher ein tiefgekühltes Bier und die Wilden begeben sich auf die Suche nach Schnee. So fanden sich am Freitag, dem 3. Juli eine kleine Truppe aus neun berggängigen SAS’lern, drei Bergführern und zwei argentinischen Gästen (mehr zu den aussergewöhnlichen Begleitern später) in Gasenried (VS) ein zur gemeinsamen Mission Besteigung Nadelhorn. Der vierstündige Aufstieg zur Bordierhütte auf 2886m führte durch einen wunderschönen Lärchenwald zur Alpja (Schafalp), wo sich die ersten zart spriessenden Alpenrosen bewundern liessen, über die seitliche Moräne zum Riedgletscher, welcher für alle  Teilnehmer leicht und problemlos zu überqueren war. Von dort aus war es über die Leitern und Felsentritte nur noch ein Katzensprung bis zum ersten Zwischenziel. Die allgemeine Meinung: das perfekte Einlaufen für den bevorstehenden Gipfeltag. Der Hüttenwart hingegen war weniger erbaut über die diversen Extrawünsche seiner Gäste bezüglich Flüssigkeitsnachschub und servierte mürrisch Bier und Citro zum Selbermischen. Erst als sich unser Bezug zum Wintersport klärte, hellte sich seine Miene im Nu auf und bald schon sass er im breitesten Walliser Deutsch plaudernd mit am Tisch. Als Skifan tat er seine Meinung gerne Kund und unsere zwei einheimischen Bergführer schienen der Stimmung ebenfalls nicht allzu abträglich zu sein.
Der Hitze wegen war die Nacht über kaum an Schlaf zu denken und so kam die Tagwacht um 03:15Uhr am Samstagmorgen viel zu früh. Gestärkt und gesättigt mit Müsli, Brot und Kaffee starteten wir keine 45 Minuten später Richtung Windjoch. Im Halbschlaf schlängelten wir uns Spitzkehre um Spitzkehre, Höhenmeter um Höhenmeter den Berg hinauf. Spätestens beim Überspringen der grossen Querspalten waren aber auch die letzten Langschläfer richtig munter, denn ohne Konzentration ging in diesem Abschnitt nichts. Den Befürchtungen zum Trotz, gestaltete sich der lange Marsch über den Gletscher weniger dramatisch als angenommen, auch wenn der Schnee hie und da durchbrach. Der steile Aufstieg zum Windjoch war so zeitig in der Früh noch tief im Schatten und daher technisch leicht zu bezwingen. Nicht zu jedermanns Freude, eröffnete sich vom Grad aus der freie Blick zum Gipfel. Traubenzucker und Koffeinbooster waren plötzlich in aller Munde und die Anzahl der Gespräche drastisch reduziert. Fokussiert ging es Schritt für Schritt in den Spuren des Vorhergehenden immer weiter den schmalen Grad entlang. Kurz vor dem Ziel nochmals eine letzte kleine Kletterpartie. Doch Klettern mit Steigeisen ist nicht jedermanns Sache und anfänglich ziemlich ungewohnt. Mit gut Zureden und viel Überredungskunst gelang es aber auch, die weniger Kletterbegeisterten trotz weicher Knie sicher bis zum Gipfelkreuz zu führen. Geschafft: 4327 M.ü.M! Und der Ausblick, da waren sich alle einig, all die Strapazen und Mühen absolut wert.
Der Abstieg zur Mischabelhütte über den Hohbalmgletscher war schnell bewältigt und kurz nach 12:00Uhr sass die ganze Mannschaft schon durstig und hungrig am Tisch. Das traumhafte Wetter und die atemberaubende 4000er Kulisse lud geradezu zum langen Verweilen, Tratschen und Philosophieren und die wenigsten genehmigten sich überhaupt einen Mittagsschlaf. Die nächsten Gipfelziele intensiv diskutierend, blieb nun endlich auch Zeit, unsere beiden geheimnisvollen Gäste ein wenig auszuquetschen. Auf Europatour weilend, waren unsere beiden argentinischen Bergfreunde eigentlich des Matterhorns wegen in der Schweiz und eher durch Zufall bei unserer Truppe gelandet. Juan Manuel Raselli alias Pipa und  Antonio alias Indio haben beide den Cerro Torre, den berühmt berüchtigten Granitberg an der argentinisch-chilenischen Grenze schon mehrere Male bezwungen und gehören weltweit zum Kreise der besten Bergsteiger. Für uns natürlich eine grosse Ehre mit solch Topkönnern unterwegs sein zu dürfen und eine einmalige Gelegenheit mehr über das Bergsteigen und ihr Heimatland Argentinien zu erfahren. Die Gesprächsthemen für einen langen und unterhaltsamen Abend waren also gegeben. Natürlich wollten wir unter anderem wissen, wie sie denn das Essen hier so finden, und wie könnte es auch anders sein, ja, der Schweizer Käse sei natürlich ihr absoluter Favorit.
Zeitig ging es am Sonntagmorgen den klettersteigartigen Abstieg Richtung Saas-Fee hinunter und während die Tennisverrückten auf das erste Postauto nach Visp spurteten, liess der Rest den traumhaften Tag umrundet von zahlreichen Gipfel bei einer gemütlich Kaffeerunde oder einem Besuch des Klettersteigs entlang der Feevispa zwischen Saas-Fee und Saas-Grund ausklingen.
Dank der hervorragenden Organisation von Jürg Schweizer und den sicheren Schritten unserer Bergführer, Aspiranten und Gästen rundherum wieder einmal ein absolut gelungener Anlass. Vielen Herzlichen Dank allen Beteiligten für das tolle Wochenende! Wir warten schon gespannt, welcher Gipfel nächstes Jahr auf dem Programm stehen wird.

Bettina Gruber

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